Inhalt

Stadtführer erzählen

Stadtführungen finden momentan leider nicht statt. Dabei gibt es so viel über Biberach zu erzählen. Deswegen haben einige Stadtführer Geschichten, Anekdoten, Erinnerungen gesammelt, die hier veröffentlicht werden.

Die Legende von der Karpfengasse - Axel Griessmann

Stadtführer Axel Griessmann erzählt die „Legende von der Karpfengasse“. Die Legende ist ein kleiner Teil der Themenführung „Tierische Stadtgeschichte(n)“. Es existieren verschiedene Versionen der Geschichte.

Als die Gasse noch nicht so genannt wurde wie heute, wohnte in ihr eine alte Dame. Sie hatte in ihrem Wohnzimmer einen sehr großen Vogelkäfig mit einem Kanarienvogel darin. Der Käfig stand auf dem Boden und war so groß, dass der Vogel in ihm eine kleine Runde drehen konnte. Die Dame liebte ihren Vogel über alles und unterhielt sich viel mit ihm. Und der Vogel tat es ihr gleich. Auch begrüßte er sie stets mit seinem munteren Zwitschern, wenn sie nach Hause kam, zum Beispiel vom Einkauf auf dem Wochenmarkt.

Eines Tages drohte in Biberach ein Hochwasser. Es regnete stark und die Riß und der Wolfentalbach stiegen immer weiter. Der Ratzengraben und die Wassergräben um die Stadt konnten das ganze Wasser nicht mehr aufnehmen, so dass sie, wie auch die Bäche in der Stadt, über ihre Ufer traten. Schließlich standen der Marktplatz und weite Teile Biberachs unter Wasser. Auch die Gasse mit dem Haus der alten Dame wurde vom Hochwasser geflutet, und es wollte nicht aufhören, anzusteigen. Darum musste die Dame in den trockenen ersten Stock. Doch den großen Vogelkäfig konnte sie alleine nicht hochtragen. Weil alles so schnell ging, konnte sie auch niemanden mehr um Hilfe bitten. So öffnete sie die Käfigtür und ein Fenster, damit der Vogel bei Gefahr nicht ertrinken musste, sondern wegfliegen konnte.

Als nach langem Warten der Regen endete und das Hochwasser zurückgegangen war, ging die Dame wieder nach unten. Währenddessen vernahm sie ein seltsames Pfeifen, nicht das schöne Zwitschern ihres Vogels. In der Stube angelangt, sah sie nach dem Kanarienvogel und erschrak gewaltig. Er war weg, aber im Käfig war etwas Anderes. Sie erblickte im Käfig ... einen nach Luft schnappenden Karpfen. Der sah aus, als wolle er Pfeifen. Die Dame war sehr traurig. „Jetzt hast Du meinen lieben Vogel gefressen“, sagte sie zu dem Tier. Den Karpfen interessierte das wenig. Er lag in einer kläglichen Wasserpfütze, japste weiter und schien zu ersticken. Das wollte die Dame trotz allem nicht zulassen und packte den glitschigen Fisch in einen Eimer mit Wasser. Ich werde den Karpfen nicht verspeisen, dachte sie sich.

Sie wollte ihn zu einem Nachbarn bringen, und öffnete die Haustür. Da kam ihr mit Schwung etwas vom gegenüberliegenden Haus entgegen. Die Dame erschrak, bis sie erkannte, was da zwitschernd an ihr vorbei flog. Es war ihr Kanarienvogel. Die alte Dame freute sich sehr. Der Vogel genauso. Und bestimmt auch der Karpfen. Ihm hatte sie nichts mehr vorzuwerfen. Sie verschonte ihn vor der Bratpfanne des Nachbarn, ging mit dem Eimer aus der Stadt und entließ den Karpfen in der Riß zurück in die Freiheit.

Wer weiß, vielleicht schwimmen heute noch irgendwo Nachfahren des pfeifenden Karpfens und berichten, wie Biberach durch ihn zu seiner Karpfengasse kam.

Nachkriegserinnerungen - Horst Gutermann

Stadtführer Horst Gutermann erinnert sich an die Nachkriegszeit. Der Text soll die „Alten“ in Erinnerungen schmunzeln lassen und die „Jungen“ in der Corona-Krise zu ermutigen.

Wenn am 8. Mai der 75. Jahrestag der Kapitulation des II. Weltkriegs die Medien beschäftigt, soll der Bericht des elfjährigen Buben, der heute aus der Erinnerung geschrieben wurde, dabei sein.

Wir Kinder waren im kleinen Biberach, fern der bombengefährdeten Städte fast sorgenlos aufgewachsen. Zwar stand der Vater an der Front und sein Leben war in Gefahr. Aber die Mütter waren ja da und sorgten sich um unser Wohl. Das änderte sich entscheidend mit dem Ende des Krieges. Regeln und Gesetze verloren ihre Gültigkeit. Deutsche Behörden hatten nichts mehr zu sagen. Nur was die Franzosen vorgaben hatte Gültigkeit. Jeder war sich selbst der Nächste. Denunzieren machte sich mehr und mehr breit. Jede bürgerliche Moral ging zum Teufel.

In diesem schlimmen Umfeld haben wir Buben dann uns unsere eigene kleine Welt geschaffen, von der ich jetzt berichten möchte.

Viel Zeit für Dummheiten

Schließlich hatten wir bis zum Herbst keine Schule und somit viel freie Zeit um Dummheiten zu machen, aber auch Nützliches auf die Beine zu stellen. So gab es an der Hirschgrabenbrücke eine Seilbahn, die die Franzosen dort montiert hatten, um angeblich ihre Fallschirmjäger üben zu lassen. Sie führte etwa 70 Meter schräg in die Tiefe. Kurz vor ihrem Ende an einem Baum war am Boden ein Sägmehlhaufen, auf den man sich mit einem Sprung retten konnte. Die Franzosen ließen die Seilbahn unbeaufsichtigt und so konnten wir Buben uns gegenseitig mit einer Schussfahrt unseren Mut beweisen.

Ebenfalls im Hirschgraben, an der Ecke unter dem Pavillon, war der sogenannte Bunker, ein zwei Schritt breiter Gang, im Halbkreis in den Nagelfluhfels gehauen. Er hatte 2 Eingänge bzw. Ausgänge. Er diente uns Schulbuben und unseren Lehrern als sicherer Unterschlupf bei Fliegeralarm. Nach dem Kriegsende kümmerte sich niemand mehr um diesen Bunker und so wurde er zu unserem Spielplatz.

Wir spielten „Räuberles“, bekriegten uns im dunklen Gang und - lebensgefährlich - zündeten ein Feuer an dem einen Zugang an, das mit seinem Rauch die Freunde tränenden Auges aus dem anderen Zugang trieb.

Keine bürgerliche Moral

Jede bürgerliche Moral war beim Teufel habe ich geschrieben. Was man zuvor klauen hieß, hieß nun organisieren. Die Wehrmacht hatte bei ihrem Rückzug, der ja eigentlich eine Flucht war, vieles ihrer Ausrüstung links und rechts der Straßen liegengelassen. Dazu gehörten auch Depots mit Lebensmitteln und Waffen mit Munition.

Organisieren konnte man alles, auf das keiner einen eigenen Rechtsanspruch hatte. Das Eigentum von Vereinen war somit besonders gefährdet. Wir Buben hatten die Schutzhütte des Hundesportvereins entdeckt, brachen sie kurzerhand ab und stellten sie in unserem nahe gelegenen Garten wieder auf. Wir waren der festen Überzeugung, dieses „herrenlose Gut zurecht organisiert zu haben“. Man kam uns jedoch auf die Schliche und wir mussten die Hütte wieder herausrücken.

Ich schrieb von dem zurückgelassenen Gut der Wehrmacht, von Waffen und der dazugehörigen Munition. Dazu gehörten Panzergranaten, Panzerfäuste, Gewehrmunition, aber auch Zweizentimetergeschosse. Vor den großen Brummern waren wir dringend gewarnt worden und so ließen wir die Finger davon. Die kleinen Brummer wie Gewehrmunition und Zweizentimetergeschosse waren unser Ziel. Wir brachen die Geschoßspitze ab oder sägten die Munition auf, um an den wertvollen Inhalt zu kommen, mit dem man wunderbare Feuerwerke machen konnte. Geschwader von Schutzengeln müssen uns damals beschützt haben.

Neue Währung sind Zigaretten

Damals, von 1945 bis zur Währungsreform 1948 galt die Zigarettenwährung. Für Zigaretten gab es alles auf dem Schwarzen Markt, aber auch im persönlichen Tauschhandel. Wir Buben sammelten Kippen, was gar nicht so einfach war, denn die eigene Kippe bewahrte man ja selbst auf. Aus den Kippen wurde der Tabak gesammelt und neue Zigaretten gedreht.

Wir Kinder hatten unseren eigenen Tauschhandel mit den Kindern der Zwangsarbeiter. Man traf sich „auf der Gass“. Sie hatten Zigaretten, wir hatten Äpfel aus dem eigenen Garten und so konnten wir nach dem Tausch stolz einige Exemplare der Zigarettenwährung nach Hause bringen.

Tägliches Leben und Hunger

Aus meinem bisherigen Bericht könnte man schließen, wir Kinder hätten in dieser Zeit nur Unfug im Kopf gehabt, was nicht stimmen würde. Unser Beitrag zum täglichen Leben ließ sich sehen. Um 7 Uhr morgens standen wir an der Haustür um mit dem Uhrenschlag los zu rennen. Meine Schwester Eva zum Bäcker, meine Mutter zum Metzger und ich zum Milchwerk in die Radgasse. Die Franzosen hatten eine strikte nächtliche Sperrzeit bis 7 Uhr festgelegt, was Mutige aber nicht daran hinderte, Minuten früher los zu spurten und so fanden wir vor uns schon eine lange Schlange Wartender. Nur wenn man Glück hatte bekam man vom kleinen Vorrat des Geschäftes noch eine bescheidene Zuteilung auf seine Lebensmittelmarken.

Was hungern heißt, bekamen auch wir Kinder gleich nach dem Umsturz zu spüren. Davor war unsere Familie noch priviligiert gewesen. Wir wohnten im eigenen Haus mit einem Keller mit Kartoffelhorde, einer Krautstande und einem Steinzeugtopf mit in Wasserglas eingelegten Eiern. Und in der Kellerecke lag ein Haufen Kohle und Briketts. Der eigene Garten lieferte das Gemüse für ein Regal mit Weckgläsern. Nach der Besetzung durch die Franzosen leerte sich die Kartoffelhorde und die Krautstande. Auf die Lebensmittelkarten gab es nur das Wenige, das „aufgerufen“ wurde. Das war „kätschiges“ Maisbrot, das wir mit Rindertalg bestrichen und ich mit rohen Zwiebeln belegte. Fette, also Butter Margarine oder Schweineschmalz waren besonders rar. Also ging meine kleine Schwester Eva zum Bucheckern sammeln, denn für 11kg! Bucheckern bekam man 1 Liter daraus gewonnenes Öl. Elf Kilo, das sind tausende dieser kleinen Früchte.

Meine Mutter und ich fuhren mit dem Fahrrad aufs Land zum Bauern um zu hamstern. Für mich war dabei das große Erlebnis das Vesper, das dem Tauschhandel vorausging: Die Kachel mit Sauerkraut aus dem Röhrle, der Tisch mit dem herrlichen Bauernbrot und dazu die fette Leberwurst aus der Dose war ein Traum.

Für kurze Zeit, einige Monate, wurde für uns die magere Zeit unterbrochen. Bei uns war ein junger Franzose einquartiert, der sehr kinderlieb war und mit dem wir uns deshalb gut verstanden. Er war Militärpolizist und so stand ihm ein Jeep zur Verfügung. Ich durfte ihn manchmal auf seinen Kontrollfahrten begleiten und saß stolz auf dem Beifahrersitz in der Hoffnung, meine Freunde würden mich sehen. Er hatte auch eine Schnapsbrennerei zu überprüfen und bei diesen „Prüfungen“ fiel dann einiges für ihn ab, das er bei der „Prüfung“ der Wurstfabrik Scheffold zum Einsatz brachte, was wiederum unserem Haushalt in Form von Wurst, Fleisch und Fett zu gute kam. Diese glückliche Zeit mit Louis endete jedoch und so mussten wir uns wieder mit Lebensmittelmarken und Hamstern durchschlagen.

Nicht mit allen Franzosen haben wir uns gut verstanden. In unserem Geschäft war ein französischer Laden untergebracht, den zu betreten Deutschen streng verboten war. Der Geschäftsführer des Ladens war arrogant, jähzornig und hatte keinerlei Feingefühl für uns. Im Haus war er als „Chef“ bekannt und so benahm er sich auch. Er hatte einen Schäferhund und den fütterte er in unserer Küche mit gebratenen Koteletts, während wir ausgehungerten Kinder ihm mit großen Augen zusahen und uns das Wasser im Mund zusammenlief.

Gerächt habe ich mich dann an seinem Cointreau. Dieser herrliche Likör schmeckte wunderbar nach Orangen und war zuckersüß. Schluck um Schluck lief er im Laufe von Wochen durch meine Kehle und wurde von mir durch Wasser ersetzt, um den Pegel in der Flasche zu halten. Der Likör wurde immer dünner, was auch Chefs Gäste bemerkten und so kam es zum Krach. Meine Mutter aber verteidigte ihre Ehrlichkeit und die ihrer Kinder und so verlief die Sache im Sande.

Biberacher Schützenfest nach dem Krieg

Lassen Sie mich mit meinem Bericht enden mit dem Biberacher Schützenfest. 

Auf dem Gigelberg steht immer noch eine richtige kleine Kanone mit einem großen Schalltrichter, der Böller. Er begleitet das Fest an allen Tagen und beginnt morgens in aller Frühe mit der Tagwacht über das Tal zu dröhnen. Uns Buben hat diese Kanone immer sehr interessiert und wir wollten wissen, ob man damit richtig schießen könne. Wir fanden den Böller einmal unbewacht (heute nicht mehr vorstellbar) luden die Kartusche mit Schwarzpulver und füllten den Schalltrichter mit einigen herumliegenden Holzscheiten. Und rums – tatsächlich- die Holzscheite schmetterten in die nahestehenden Bäume. Damit war unser Wissensdurst befriedigt.

1946 schon fand tatsächlich das erste Schützenfest nach dem Krieg statt. Dazu waren schwierige Gespräche zuvor mit den Franzosen notwendig. Alles militärisch Anrüchige musste wegbleiben. So trat die Schwedengruppe und die kleine Schützenmusik 1946 noch nicht auf. Die Zinnsoldaten in Peterchens Mondfahrt blieben weg. Und in einigen Nebenstraßen standen tatsächlich mehrere Panzerspähwagen, die die Gefahr einer solchen Großveranstaltung beobachten sollten. Das Schützenfest jedoch verlief friedlich. Auf dem Gigelberg gab es ein rührendes Geschehen. 2100 hungrige Kinder und ihre Lehrer erhielten jeder eine Schützenwurst und 2 Wasserwecken. Der Andrang an der Baracke war chaotisch, aber um der Wurst willen gut auszuhalten. Ich erinnere mich, meine Wurst sicher nach Hause gebracht zu haben. Ich wollte sie ja warm essen.

Dieser kleine Bericht diene dazu, die „Alten“ in Erinnerungen schmunzeln zu lassen und die „Jungen“ in der Corona Krise zu ermutigen.

 

Anekdoten aus Stadtführungen - Gerda Fuchs

Stadtführerin Gerda Fuchs berichtet über so manch amüsante Begebehnheit während Stadtführungen.

Das Geheimnis um die Freie Reichsstadt

Bei einer historischen Stadtführung mit einer Grundschulklasse standen wir vor dem ehemaligen Hägeler Tor. Ich erzählte den Schülern von der Stadtmauer, den Einlasstoren und dem ganz besonderen Tag-und-Nacht-Einlass.

Auch wollte ich den Kindern die Besonderheiten einer ehemaligen Freien Reichsstadt vermitteln. Um den ungefähren Wissensstand der Viertklässler zu ermitteln, fragte ich zunächst, ob sie eine Ahnung hätten, was es mit der Bezeichnung „Freie Reichsstadt Biberach“ so auf sich hätte.

Ein Junge in der Mitte hinten streckte schnell und meinte mit einer sehr ernsten und bedeutungsschweren Stimme: „Des isch, weil dia sooo reich warad!“


Die einfache Lösung für die Räuber

Ich stand bei einer Räuberführung mit einer Grundschulklasse auf dem Kirchplatz. Wir betrachteten uns das Leben der Räuber und wie sie ihren Lebensunterhalt mit Rauben und Stehlen bestritten, weil sie kein Geld und keine Arbeit hatten.

Mein Gedanke war es, die Kinder zum Nachdenken anzuregen, welche Alternativen die Räuberbande sonst noch gehabt hätten, abseits von den krummen Touren.

Also fragte ich die Kinder, was denn die Clique vom Schwarzen Veri sonst noch hätte machen können in so einer schwierigen Lage ohne Geld.

Ein Junge streckte flugs die Hand und meinte sehr schlagfertig: „Mit dr Karte zahla!“

Schwarzer Veri macht eine Erfindung

Bei einer Räubergeschichten-Stadtführung mit einer Biberacher Grundschulklasse beschäftigten wir uns mit dem Leben der oberschwäbischen Räuberbande des Schwarzen Veri.

Ich erzählte den Kindern über das harte Alltagsleben damals und über die Tricks und Kniffe der Räuber. Wir besuchten den Weißen Turm und standen anschließend auf der Schillerhöhe, wo die Kinder noch Fragen stellen durften.

Da die Kinder noch in sehr zartem Alter von ca. 6 Jahren waren, wollte ich das junge Publikum nicht so sehr mit den tragischen Geschichten belasten. Doch die Kinder wussten schon einiges und wollten es jetzt noch genauer wissen. Und ein Kind meinte dann: „Frau Fuchs, stimmt des, dass dr Schwarze Veri vom Blitz erschlagen wora isch?“ Und da musste ich doch noch auf das traurige Ende genauer eingehen. Natürlich so kindgerecht und schonend wie möglich und doch historisch korrekt.

Also erzählte ich die Geschichte vom Ende des Schwarzen Veri, vom schwülen Sommertag, vom Fluchen und Schimpfen des Schwarzen Veri und dass er sich selbst gewünscht haben soll, dass doch der Blitz einschlagen möge, dass das ganze Elend ein Ende haben möge.

Und ich erzählte, dass sich das dann so ereignet hätte tatsächlich Blitz und Donner, ein Gewitter und tatsächlich, ein Blitzeinschlag im Ehinger Tor, da wo der Schwarze Veri an Eisen gekettet eingesperrt war.

Und dass der Blitzschlag ihn dann selbst getroffen hätte wegen der Eisenketten und, dass das nicht passiert wäre, wenn der Turm einen Blitzableiter gehabt hätte.

Auch erzählte ich ihnen, dass die braven Biberacher Bürger dann gesagt hätten, dass das mit dem Blitz beim Schwarzen Veri bestimmt ein Gottesgericht gewesen sei, weil das so ein böser Mensch gewesen sei.

Aber ich erzählte dem gespannten jungen Publikum auch, dass die Biberacher daraufhin auf viele Gebäude und Häuser ganz schnell auch hätten Blitzableiter installieren lassen. Ein Kind meldete sich daraufhin ganz begeistert und meinte: „Do hot abr dr Schwarze Veri ebas Gutes erfunda, wenn er den Blitzableiter erfunda hot.“

 

Eine Bilder-Zeitreise - Markus Pflug

Bei der Braith-Schule © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.
Bei der Braith-Schule © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.


Dieser Blick hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert. Aber der Platz von dem aus das Bild aufgenommen wurde. Heute ist hier bei der Braith-Schule eine Betonbrücke. Damals und bis weit in die 1970er Jahre war es eine Holzbrücke. Deren Dielen hatten einen so großen Zwischenraum, dass einige Lausbuben der Schule nichts Besseres zu tun hatten, als in den Pausen darunter zu stehen und den darüber flanierenden Damen unter die Röcke zu schauen. Das ging so lange gut bis eine der Frauen es bemerkte, Zeter und Mordio schrie, und dadurch den Aufsicht führenden Lehrer alarmierte.Selbiger schritt zur erzieherischen Tat und die rechte Pobacke des Verfassers war tagelang nicht zu gebrauchen.

Gasthaus Waldhorn © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.
Gasthaus Waldhorn © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.


Heute steht an dieser Stelle die Bruno-Frey-Musikschule. Das Gasthaus Waldhorn hatte eine lange Geschichte und spielte auch eine besondere Rolle im Revolutionsjahr 1848. Nachdem die Bürger das Recht erstritten hatten, Waffen zu tragen, wollte man damit natürlich auch schießen. Das Problem in Biberach war, dass es sieben verschiedene Gruppierungen gab, die sich daran beteiligen wollten. So kam es, dass die Schützengesellschaft im Garten des Waldhorns ihre Zielscheiben aufstellte, die Bürgerschützen im Schützenkeller. Das Musketier-Bataillon, die berittene Bürgerschaft, die Schützenkompagnie, die Turnerkompagnie und das Freikorps wurden auf den neuen, geplanten Schießstand vertröstet. Die Tatsache, dass bald darauf das Schießen an Sonn-und Feiertagen auf Straßen und innerhalb von Ortschaften verboten wurde macht deutlich, dass man von seinem neuen Recht wohl fleißig Gebrauch machte.

Gasthaus zum Schwarzen Rössle © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.
Gasthaus zum Schwarzen Rössle © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.


Auch heute noch befindet sich hier das Gasthaus zum Schwarzen Rössle, allerdings mittlerweile auf der anderen Seite des Gebäudes. Wie man sieht war es damals auch Haltestelle für die Postkutsche. Wenn man heute beim Schwarzen Rössle auf der Terrasse sitzt blickt man auf einen ziemlich hässlichen Neubau. Vorher stand an dieser Stelle die Weinstube „Zum Reif“, gerne besucht vom Stadtrechner und späteren Oberbürgermeister Leger. Er brachte sich hier im Jahre 1944 beinahe um Kopf und Kragen, als er weinselig im Kreise guter Freunde wohl über den Kriegsverlauf und die Partei herzog. Leger wanderte für ein halbes Jahr wegen Wehrkraftzersetzung in Gestapohaft nach Ulm und kam nur durch großes Glück mit dem Leben davon.

Komödienhaus © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.
Komödienhaus © Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und Kreis Biberach e. V.


Oben hohe Kultur unten Schlachthaus. In dieser Kombination geht das wohl nur in Biberach. Und trotzdem wurde im Komödienhaus (oder Schlachtmetzig) literarische Weltgeschichte geschrieben. Im ersten Stock führte die evangelische Theatergesellschaft 1761 unter Wielands Regie und in seiner Übersetzung zum allerersten Mal in Deutschland ein Shakespeare Stück in deutscher Sprache auf. Den „Sturm“. Heute residiert im 1. Stock der Dramatische Verein, die älteste Amateurtheatergesellschaft Deutschlands. Im Erdgeschoss ist eine Kleinkunstbühne. Alles ganz brav und bieder, nichts erinnert mehr an die 1970er Jahre, als hier im Erdgeschoss das erste, selbstverwaltete Jugendhaus Biberachs bestand. Böse Zungen behaupten hier hätte es alles gegeben was der Staat, die Kirche und die Polizei verboten hätten. Eingeweihte wissen dagegen, wer sich erinnern kann, war garantiert nicht dabei.

Wer war Fortunée d'Albepierre-Niederer? - Stadtführerin Claudia Manall

Fortunée d'Albepierre-Niederer (1801-1876) leitete die erste „Paritätische Private Töchterschule“ in Biberach. Lesen Sie hier die Geschichte der ungewöhnlichen Pädagogin, die es von Mailand nach Biberach verschlagen hat.

Weitere spannende "FrauenGeschichte(n)" sind in der gleichnamigen Broschüre zu finden. Die Broschüre ist im Stadtarchiv Biberach sowie über die Tourist-Information zu erhalten. Sämtliche Geschichten sind außerdem auf der Internetseite des Stadtarchivs verfügbar.

Per Video Biberach entdecken - Video des Bloggers "Deutschlandjäger"

Der Reiseblogger "Deutschlandjäger" war 2018 zu Besuch in Biberach und ist mit unserer Stadtführerin Tamara Prinz durch Biberach gezogen.