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Der Salzstadel

Der Staffelgiebel des Salzstadel ist seit über 500 Jahren ein prägnanter Teil des Stadtbildes von Biberach. Fertiggestellt wurde das Gebäude vermutlich 1513. Fast drei Jahrhunderte diente es als zentrales Salzlager der Stadt, sowie als Weinkeller und Kornspeicher des Hospitals zum Heiligen Geist. Im Laufe seiner Geschichte hat das imposante Bauwerk Um- und Rückbauten erfahren und passt somit sehr gut zum diesjährigen Motto des Denkmaltages "Chance Denkmal: Erinnern.Erhalten.Neu denken."

Etwa 24 Meter hoch ist das imposante, spätgotische Bauwerk. Seinen repräsentativen Charakter zeigen die Staffelgiebel auf der Vorder- und Rückseite. Biberach befand sich um die Zeit der Erbauung auf einem wirtschaftlichen Höhepunkt als Freie Reichsstadt. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts brachte die Produktion, der Handel und der Verkauf von Barchent wohlstand.

Die Stadt wachte über die Lebensmittel und so auch über den Salzhandel. Um den An- und Verkauf sowie die Lagerung kümmerte sich der Salzmeister. Ursprünglich befand sich im Erdgeschoss eine Einfahrt, durch die Fuhrwerke zum Be- und Entladen direkt in das Gebäude fahren konnten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Erdgeschoss zu zwei Etagen umgebaut. Unten für Gewerbetreibende, darüber befand sich bereits eine Wohnetage.

Ab 1810 wurde das Salzstadel vermutlich nicht mehr für die Lagerung von Salz verwendet. Aufgrund von Kriegsschuldentilgung wurde das Gebäude, mit Ausnahme des Weinkellers, an Privat verkauft. Im Laufe des 19. Jahrhunderts sah der Salzstadel viele Eigentümerwechsel: Geschäfts-, Wohn- und Mietshaus für Kaufleute und Handwerker wie Buchdrucker, Nadler, Käser. Sogar der Verlag des "Wochenblatts für den Oberamtsbezirk Biberach" (später dann "Anzeiger vom Oberland - Amts- und Intelligenzblatt für das Oberamt Biberach") war von 1824 bis 1871 dort untergebracht. 1860 eröffnete Fortunée Niederer in Biberach eine private Höhere Töchterschule, die für kurze Zeit im Salzstadel Quartier bezog.

Ab 1891 und 1903 begann eine langfristige Nutzung der Räume durch neue Eigentümer. Zum einen durch die Familie Zanetti, die bis etwa 1970 im Salzstadel einen Käse- und Butterhandel betrieb. Dabei diente der Keller als Käselager. Zum anderen wurde das Salzstadel von Familie Förg über mehrere Generationen als Seilerei genutzt. Während im Erdgeschoss die Seile, später auch Geschenkartikel und Korbwaren, verkauft wurden, befand sich im Dachgeschoss die Seilerei. 1992 schloss das Geschäft. Die Seilergerätschaften werden im Museumsdorf Kürnbach weiterhin für Demonstrationszwecke genutzt.

Der Dachstuhl erstreckt sich über vier Etagen und umfasst etwa 60 Prozent der Gebäudehöhe. Dendrochronologisch ist die Fällung der im Dachstuhl verbauten Hölzer für 1510/11 belegt. Mit einem Dremel, einem Lastenaufzug mit Drehkreuz auf die dritte Ebene, wurden Güter mit Seil und Winde nach oben und unten befördert.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde von 2017 bis 2018 saniert. Im Erdgeschoss befindet sich nun eine Buchhandlung, in der ersten Dachetage sind jetzt Wohnungen untergebracht. Der Rest darüber bleibt als Dachstuhl erhalten.

Dieses Jahr stellen wir Ihnen das Salzstadel digital vor und hoffen, Ihnen nächstes Jahr Denkmale wieder "in Echt" näher bringen zu dürfen.

Die Informationen über das Salzstadel stammen aus einem Artikel von Axel Griessmann "Der Salzsstadel zu Biberach an der Riß", welcher 2018 in den "Heimatkundlichen Blättern für den Kreis Biberach" erschienen ist. Mehr Infos über die Gesellschaft für Heimatpflege sowie weitere Publikationen unter www.gfh-biberach.de.